Das Alte Rathaus an der östlichen Seite des Marienplatzes war bis 1874 Sitz des Münchner Stadtrates und ist mit seinem spätgotischen Saalbau bis heute ein Repräsentationsgebäude der Stadt. Im Turm des Alten Rathauses befindet sich heute das Spielzeugmuseum, Sammlung Ivan Steiger, mit zahlreichen Exponaten von Modelleisenbahnen, Plüschtieren, Puppen und Blechspielzeug.

Das heutige Alte Rathaus ist ein Nachfolger des ersten, bereits 1310 urkundlich erwähnten, Rathauses das wegen der Stadtbefestigung die damals noch am Marienplatz endete, weiter westlich stand. 1392/94 erhielt dieser Bau einen großen Saal und das Talburgtor der Stadtbefestigung, damals Unteres Tor genannt, wurde zum Rathausturm umgebaut. Der gesamte Komplex fiel im Jahre 1460 einem Blitzschlag zum Opfer.

Der Dombaumeister Jörg von Halsbach, genannt “Ganghofer” erbaute in der Zeit von 1470 bis 1480 das spätgotische Alte Rathaus mit dem spätgotischem Saalbau. Dieser Saal zählt zu den architektonischen Meisterleistungen der Münchner Gotik. Zu bestaunen gibt es in diesem wahrlich meisterhaften Saalbau z.B. die Holztonnendecke mit Schnitzarbeiten von Hans Wenger (1476/77), das Wappenfries mit den 99 Stadtwappen in der Kämpferzone des Gewölbes sowie die Moriskentänzer (Kopien) von Erasmus Grasser.

Im Lauf der Jahrhunderte erhielt das Rathaus zahlreiche, jeweils dem Zeitgeschmack entsprechende, Umgestaltungen. So wurde im 17. Jahrhundert die Fassade barockisiert und der Rathausturm mit einer Zwiebelkuppel versehen. A. Demmel veränderte 1778/79 die Westfassade im Stil der Spätrenaissance, ehe Arnold Zenetti das Rathaus zwischen 1861 und 1864 wieder ganz im Sinne des Historismus regotisierte. Der spätgotische Saalbau Ganghofers blieb aber stets unangetastet.

Erst als die Stadtverwaltung 1874 das Neue Rathaus teilweise bezogen hatte, wurde im Erdgeschoss eine Durchfahrt mit separaten Fußgängerpassagen durchgebrochen. 1934/35 wurde die heutige Durchfahrt in Form des gotischen Baustils über das ganze Erdgeschoss ausgedehnt. Kurze Zeit später, im Zweiten Weltkrieg erlitt das Alte Rathaus schweren Schaden. Um Panzern eine Durchfahrt zwischen Marienplatz und Tal zu ermöglichen, wurde der Rathausturm 1940 abgerissen. Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau des Alten Münchner Rathauses in zwei Schritten.

Von 1953 bis 1958 wurde der Saalbau, insbesondere der Ganghofer’sche Saal rekonstruiert. In der Gestaltung der Fassade orientierte man sich am gotischen Original mit höherem Hauptfenster. Die neugotischen Elemente, zum Beispiel die Statuen Ludwig des Bayern an der Westseite und Heinrich des Löwen an der Ostfassade sowie der Giebel blieben erhalten. Über den Wiederaufbau des 56 Meter hohen Talburgturmes wurde in München lange diskutiert. Ganz nach dem gotischen Original von 1493 wurde der Turm in den Jahren 1971 bis 1974 dann doch wieder aufgebaut und das Ensemble vervollständigt.

 

Das Alte Rathaus in München ist reich an Geschichte und wichtigen Ereignissen. 1677 war es Tagungsort des Bayerischen Landtages. 1848 wurden hier die Münchner Abgeordneten für die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Ein eher dunkles Kapitel ist die Rede von Joseph Goebbels im Alten Rathaus am 9. November 1938, die als Auftakt der Reichspogromnacht gilt.

 

Ihr Weg zum Alten Rathaus

Das Alte Rathaus ist über den Marienplatz mit seinen S- und U-Bahnhöfen sowie Busverbindungen hervorragend an den Münchner Nahverkehr angeschlossen.